KapazitÀt, QualitÀt und Effizienz mit neuer Strahlanlage optimiert

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Die kontinuierlich steigende Nachfrage veranlasste einen der weltweit fĂŒhrenden Hersteller von Eisengussprodukten, seine StrahlkapazitĂ€t auszubauen. Gleichzeitig sollten mit der neuen Strahlanlage die ProduktqualitĂ€t und die ArbeitsablĂ€ufe verbessert werden. Dass sich das Unternehmen fĂŒr die Drahtgurt-Durchlaufstrahlanlage RDGE 1250/300-8 von Rösler entschied, lag einerseits am maßgeschneiderten Konzept, andererseits an den Erfahrungen aus vorangegangenen Projekten.

Die Geschichte der im pfĂ€lzischen Eisenberg ansĂ€ssigen Gienanth GmbH, die bis ins 15. Jahrhundert zurĂŒckreicht, vereint Tradition, Expertise und Innovation bei der Herstellung von Bauteilen im Eisenguss. Inzwischen werden an vier Produktionsstandorten in Deutschland, Österreich und Tschechien ZylinderkurbelgehĂ€use fĂŒr Großmotoren hergestellt, die unter anderem in Schiffen, Bahnen und Stromgeneratoren zum Einsatz kommen. Bauteile fĂŒr Maschinen, den Automobilmarkt und die Nutzfahrzeugindustrie runden das Produktspektrum ab. Gienanth versteht sich dabei als Lösungsanbieter, der Kunden von der Idee und Produktentwicklung ĂŒber die Werkstoffauswahl bis zur Produktion des einbaufertigen Bauteils unterstĂŒtzt. Aus diesem ganzheitlichen Ansatz resultiert nicht nur eine kontinuierlich steigende, weltweite Nachfrage, sondern auch die Auszeichnung mit dem German Innovation Award 2019, der Gienanth fĂŒr das bionische Re-Design der TrĂ€gerplatte fĂŒr Nutzfahrzeug-BremsbelĂ€ge verliehen wurde.

Hohe technische Anforderungen und schwierige EinbauverhÀltnisse
Aufgrund der hohen Nachfrage reichte die KapazitĂ€t der bisherigen Strahlanlagen nicht mehr aus. „Neben einer deutlichen Steigerung des Durchsatzes wollten wir mit der neuen Strahlanlage den Prozess effizienter gestalten und die ProduktqualitĂ€t verbessern.“, fasst Jens Eckel, Projektingenieur bei Gienanth in Eisenberg, die Anforderungen zusammen. Um eine vernĂŒnftige Standzeit der Anlagenkomponenten sicherzustellen, mussten auch das aggressive, kantige und sehr harte Strahlmittel sowie der Sandeintrag von rund 200 kg pro Stunde bei der Konzeption berĂŒcksichtigt werden. Eine gewisse Herausforderung ergab sich darĂŒber hinaus durch die bauliche Situation: Das Sheddach mit aufwendiger TrĂ€gerkonstruktion machte eine höhenreduzierte AusfĂŒhrung der Anlage mit geteiltem Becherwerk erforderlich.

Maßgeschneiderte Drahtgurt-Durchlaufstrahlanlage in robuster AusfĂŒhrung
„Die Drahtgurt-Durchlaufstrahlanlage RDGE 1250/300-8 wurde von Rösler optimal an unsere Anforderungen angepasst. Entscheidend waren darĂŒber hinaus die in vorangegangenen Projekten gesammelten guten Erfahrungen mit diesem Hersteller“, berichtet Jens Eckel.
Den harten Bedingungen beim Entsanden und Reinigen trĂ€gt auch die Ausstattung mit acht Hochleistungsturbinen Rutten Gamma 330-HD mit einer Antriebsleistung von jeweils 18,5 kW Rechnung. Der Strahlmitteldurchsatz liegt bei insgesamt bis zu 2.520 kg pro Minute. Die Turbinen verfĂŒgen ĂŒber sechs Wurfschaufeln aus Hartmetall im „Y“-Design. Diese spezielle Gestaltung ermöglicht im Vergleich zu herkömmlichen Turbinen eine bis zu 20 Prozent höhere Strahlleistung bei geringerem Energieverbrauch. Außerdem können die Wurfschaufeln gedreht und von beiden Seiten genutzt werden.
Platziert sind jeweils vier Turbinen am Kabinendach und -boden. Dabei sind die spezifischen Anforderungen von Gienanth ebenfalls eingeflossen. Um zu verhindern, dass die teilweise nur 1 bis 1,5 kg schweren WerkstĂŒcke wĂ€hrend des Strahlprozesses ihre Position verĂ€ndern, sich ĂŒbereinanderlegen oder vom Drahtgurt „geblasen“ werden, wurden die Turbinen leicht angewinkelt. Die Strahlbilder treffen sich dadurch auf der Höhe des Drahtgurts, sodass die Teile vom Strahlmittelstrahl der oberen Turbinen in Position gehalten werden. Gleichzeitig sorgt eine etwas höhere Leistung der unteren Turbinen dafĂŒr, dass die Gussteile minimal vom Gurt abgehoben und Strahlschatten vermieden werden.

Vollautomatischer, fertigungsintegrierter Strahlprozess
Die ZufĂŒhrung der Teile erfolgt direkt von der Gießanlage mit einer Vibrationsförderrinne, durch die bereits ein Teil des Sandes entfernt wird. Im Einlaufbereich der Strahlanlage werden die Teile auf den 1.250 mm breiten Drahtgurt ĂŒbergeben. Dabei sorgt ein Mitarbeiter fĂŒr die gleichmĂ€ĂŸige Verteilung der WerkstĂŒcke auf dem Gurt. Nach dem Strahlprozess werden die Gussteile auf ein 15 m langes Fördersystem ĂŒbergeben, das ebenfalls von Rösler stammt. Dieses spezielle Gießerei-Förderband ist mit einem stabilen Transportgurt ausgestattet. Anschließend erfolgt der direkte Transport von der Putzerei in den Versand.

Strahlmittelaufbereitung mit hohem Abscheidegrad
Auf hohen Verschleißschutz ist auch die Strahlmittelaufbereitung ausgelegt. Das Strahlmittel-Sandgemisch durchlĂ€uft zunĂ€chst unter der Anlage platzierte Siebrinnen, in der gröbere Sandknollen, Zunder- und Schlackereste entfernt werden. Anschließend geht es weiter zu einem Magnetseparator. Hier verteilt ein ausgeklĂŒgeltes Leitsystem das Feingemisch ĂŒber die gesamte Walzenbreite, sodass ein sehr dĂŒnner Vorhang aus Strahlmittel-Sandgemisch entsteht. Dies sorgt in Kombination mit der hohen Anzugkraft, der in den Walzen integrierten Hochleistungsmagnete, fĂŒr einen Abscheidegrad von bis zu 99,8 Prozent.
Die Strahlmittelnachdosierung erfolgt automatisch. DafĂŒr wird der FĂŒllstand im Bunker mit einem Sensor ĂŒberwacht. Sobald er den definierten Sollwert unterschreitet, wird Strahlmittel in jeweils kleinen Mengen nachdosiert. Diese Vorgehensweise sorgt fĂŒr ein homogenes Betriebsgemisch des Strahlmittels und damit fĂŒr ein gleichbleibendes Bearbeitungsergebnis.